Beschreibung
Diese Anweisung unterstützt die Realisierung einer Zweihandüberwachung mit Freigabe zur Erfüllung von Anforderungen aus ISO 13851. Zur vollständigen Erfüllung der Anforderungen aus der Norm können jedoch weitere in der Norm beschriebene Maßnahmen erforderlich sein.
Werden die Taster IN1 und IN2 innerhalb der zulässigen Diskrepanzzeit DISCTIME ≤ 500 ms betätigt (IN1/IN2 = 1) (synchrone Betätigung), wird bei vorliegender Freigabe ENABLE = 1 das Freigabesignal Q auf 1 gesetzt. Wenn die Zeitdifferenz zwischen Betätigung von Taster IN1 und Taster IN2 größer als DISCTIME war, müssen die Taster losgelassen und erneut betätigt werden.
Q wird auf 0 zurückgesetzt, sobald einer der Taster losgelassen (IN1/IN 2 = 0) oder die Freigabe ENABLE = 0 wird. Das Freigabesignal Q kann dann erst wieder auf 1 gesetzt werden, wenn auch der andere Taster losgelassen wurde und wenn danach beide Taster bei vorliegender Freigabe ENABLE = 1 wieder innerhalb der Diskrepanzzeit betätigt werden.
Jedem Aufruf der Anweisung "Zweihandüberwachung mit Freigabe" muss ein Datenbereich zugeordnet werden, in dem die Anweisungsdaten gespeichert werden. Dazu wird beim Einfügen der Anweisung im Programm automatisch der Dialog "Aufrufoptionen" geöffnet, in dem Sie einen Datenbaustein (Einzelinstanz) (z. B. TWO_H_EN_DB_1) oder eine Multiinstanz (z. B. TWO_H_EN_Instance_1) für die Anweisung "Zweihandüberwachung mit Freigabe" erstellen können. Nach dem Erstellen finden Sie den neuen Datenbaustein in der Projektnavigation im Ordner "STEP 7 Safety" unter "Programmbausteine > Systembausteine" oder die Multiinstanz als lokale Variable im Abschnitt "Static" der Schnittstelle des Bausteins. Weitere Informationen dazu finden Sie in der Hilfe zu STEP 7.
Die Beschaltung des Freigabeeingangs "EN" bzw. des Freigabeausgangs "ENO" ist nicht möglich. Somit wird die Anweisung (unabhängig vom Signalzustand am Freigabeeingang "EN") immer ausgeführt.
Anmerkung: An der Anweisung kann nur ein Signal pro Taster ausgewertet werden. Die Diskrepanzüberwachung des Öffner- und Schließerkontakts der Taster IN1 und IN2 erfolgt bei entsprechender Projektierung (Auswertung der Geber: 1oo2 (2v2)-Auswertung, antivalent) direkt durch die F‑Peripherie mit Eingängen. Dabei muss der Schließerkontakt so verdrahtet werden, dass er das Nutzsignal liefert (siehe Handbuch zur eingesetzten F‑Peripherie). Um dabei die Reaktionszeit nicht durch die Diskrepanzzeit zu beeinflussen, müssen Sie bei der Projektierung für das Diskrepanzverhalten: "0-Wert bereitstellen" parametrieren.
Wird eine Diskrepanz erkannt, wird für den Taster Ersatzwert 0 ins Prozessabbild der Eingänge (PAE) eingetragen und im zugehörigen F‑Peripherie-DB QBAD bzw. QBAD_I_xx = 1 bzw. Wertstatus = 0 gesetzt.
Parameter
Die folgende Tabelle zeigt die Parameter der Anweisung:
|
Parameter |
Deklaration |
Datentyp |
Beschreibung |
|---|---|---|---|
|
IN1 |
Input |
BOOL |
Taster 1 |
|
IN2 |
Input |
BOOL |
Taster 2 |
|
ENABLE |
Input |
BOOL |
Freigabeeingang |
|
DISCTIME |
Input |
TIME |
Diskrepanzzeit (0 ... 500 ms) Wählen Sie für produktiven Einsatz eine Diskrepanzzeit > 0 ms. |
|
Q |
Output |
BOOL |
1=Freigabe |
|
DIAG |
Output |
BYTE |
Nicht fehlersichere Serviceinformation |
Anweisungsversionen
Für diese Anweisung stehen mehrere Versionen zur Verfügung:
|
Version |
S7-300/400 |
S7-1200 G1 |
S7-1200 G2 |
S7-1500 |
Funktion |
|---|---|---|---|---|---|
|
1.0 |
x |
— |
— |
— |
Bei der Migration von Projekten, die mit S7 Distributed Safety V5.4 SP5 erstellt wurden, wird automatisch die Version 1.0 der Anweisung verwendet. Wenn Sie ein migriertes Sicherheitsprogramm mit STEP 7 Safety Advanced erstmalig übersetzen wollen, empfehlen wir Ihnen, zuvor die Version der Anweisung auf die höchste verfügbare Version umzustellen. |
|
1.1 |
x |
— |
— |
o |
Diese Versionen sind funktional identisch zur Version 1.0. |
|
1.2 |
x |
o |
— |
o |
|
|
1.3 |
x |
x |
x |
x |
|
Beim Anlegen einer neuen F-CPU mit STEP 7 Safety ist automatisch die höchste für die angelegte F-CPU verfügbare Version voreingestellt.
Weitere Informationen zur Verwendung von Anweisungsversionen erhalten Sie in der Hilfe zu STEP 7 unter "Anweisungsversionen verwenden".
Ausgang DIAG
Am Ausgang DIAG wird eine nicht fehlersichere Information über aufgetretene Fehler für Servicezwecke zur Verfügung gestellt. Sie können diese über Bedien- und Beobachtungssysteme auslesen oder ggf. in Ihrem Standard-Anwenderprogramm auswerten. Die DIAG-Bits 0 bis 5 bleiben gespeichert, bis die Fehlerursache beseitigt ist.
Aufbau von DIAG
|
Bit Nr. |
Belegung |
Mögliche Fehlerursachen |
Abhilfemaßnahmen |
|---|---|---|---|
|
Bit 0 |
falsche Diskrepanzzeit DISCTIME eingestellt |
Diskrepanzzeit < 0 oder > 500 ms eingestellt |
Diskrepanzzeit im Bereich von 0 bis 500 ms einstellen |
|
Bit 1 |
Diskrepanzzeit abgelaufen |
Diskrepanzzeit zu niedrig eingestellt |
ggf. höhere Diskrepanzzeit einstellen |
|
Taster wurden nicht innerhalb der Diskrepanzzeit betätigt |
Taster loslassen und innerhalb der Diskrepanzzeit betätigen |
||
|
Verdrahtungsfehler |
Verdrahtung der Taster überprüfen |
||
|
Taster defekt |
Taster prüfen |
||
|
Taster sind auf unterschiedliche F‑Peripherie verdrahtet und F‑Peripheriefehler, Kanalfehler oder Kommunikationsfehler oder Passivierung über PASS_ON auf einer F‑Peripherie |
Abhilfe siehe Abschnitt "Aufbau von DIAG", Bits 0 bis 6 unter DIAG |
||
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Bit 2 |
Reserve |
— |
— |
|
Bit 3 |
Reserve |
— |
— |
|
Bit 4 |
falsche Betätigungsfolge |
ein Taster wurde nicht losgelassen |
Taster loslassen und innerhalb der Diskrepanzzeit betätigen |
|
Taster defekt |
Taster prüfen |
||
|
Bit 5 |
Freigabe ENABLE liegt nicht vor |
Freigabe ENABLE = 0 |
Freigabe ENABLE = 1 setzen, Taster loslassen und innerhalb der Diskrepanzzeit betätigen |
|
Bit 6 |
Reserve |
— |
— |
|
Bit 7 |
Zustand Ausgang Q |
— |
— |
Zeitliche Unschärfe, die durch den Aktualisierungszeitpunkt und die Toleranz der in der Anweisung verwendeten Zeitbasis entsteht
Beachten Sie dazu das Kapitel "Zeitliche Unschärfe bei Anweisungen mit Zeitverarbeitung".
Beispiel
Das folgende Beispiel zeigt die Funktionsweise der Anweisung: